Teure Mäuse

Unsichtbares Akkordeon
 

Maus

Transportstress machte das geplante Experiment nicht nur teuer, sondern undurchführbar.

Auflösung
 

Eine Doktorandin in Deutschland bestellte Mäuse einer bestimmten KnockOut-Reihe direkt bei einer Firma in den USA, die das entsprechende Patent hielt. Bei KnockOut Mäusen wurden mittels einer genetischen Manipulation gezielt ein oder mehrere Gene deaktiviert um die durch sie regulierten biologischen Mechanismen untersuchen zu können. Außerdem eignen sich derartige Tiere als Modell für menschliche Erkrankungen und für pharmakologische Fragestellungen. Die Bestellung in den USA führte dazu, dass die Transportkosten der Mäuse (mehrere Tausend Euro für Tiertransport im Flugzeug) deren Wert (ca. 3,50 Euro je Maus) um ein Vielfaches überstiegen. Noch dramatischer war jedoch, dass die Tiere für das geplante Stressexperiment so de facto unbrauchbar waren. Der Transport hatte ihnen bereits zu sehr zugesetzt. Eine spätere Bestellung über einen europäischen Lizenznehmer für das Patent war zwar problemlos möglich, aber die Aktion kostete die Doktorandin wertvolle Zeit und ihr Institut unnötig Geld. Wahrscheinlich handelte es sich aus Sicht der meisten im Labor um „Allgemeinwissen“, dass nicht nur die Patenthalter die richtigen Mäuse liefern können, sondern auch Lizenznehmer in Europa. Das war so selbstverständlich, dass es keinen Gesprächsanlass gab, und die Doktorandin diese Information aktiv hätte abfragen müssen.

Die Bestellunterlagen wurden zwar daraufhin geprüft, dass der richtige Genotyp Maus bestellt wurde. Die eher banale Frage woher die Mäuse kamen, hatte der Projektleiter wahrscheinlich nicht auf dem Schirm, zumindest wurde die Bestellung bestätigt, ohne dass der US Lieferant in Frage gestellt wurde.

Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, implizites Wissen zu verschriftlichen. Hätte es beispielsweise eine Liste mit möglichen Bezugsquellen für Versuchstiere verschiedener Genlinien gegeben, dann wäre der Doktorandin sicher aufgefallen, dass die US Firma nur einer von mehreren in Frage kommenden Lieferanten ist. Wären nicht nur die einzelnen Lieferanten, sondern auch die Auswahlkriterien festgehalten worden, hätte eine informierte und keine zufällige Entscheidung über die Bezugsquelle getroffen werden können. Ein derartiges systematisches Vorgehen bei der Auswahl ist nicht nur für Versuchstiere, sondern auch für Software, Hardware, Messgeräte und Verbrauchsmaterialien sinnvoll.

 
Quelle: persönliche Kommunikation